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Freizeit
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Freizeit (englisch leisure, französisch loisir) ist der Zeitraum außerhalb der Schul- oder Arbeitszeit, ĂŒber den eine Person selbstbestimmt verfĂŒgen kann.

Contents

‱ Etymologie
‱ Geschichte
‱ Arten
‱ Kritik
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Allgemeines

Arbeits- oder Schulpflicht unterliegen weitgehend der Fremdbestimmung. Die Freizeit dagegen ist selbst bestimmt und kann deshalb im Rahmen der Freizeitgestaltung durch Selbstmanagement organisiert werden. Freizeit steht fĂŒr die Erholung von den Anstrengungen beruflicher und sonstiger Verpflichtungen zur VerfĂŒgung. Sie wird auch fĂŒr vielfĂ€ltige andere AktivitĂ€ten genutzt.cite-ref-1[1] Dazu gehören kommunikative, kulturelle, politische, sportliche, wirtschaftliche, religiöse AktivitĂ€ten, die oft als Hobby oder ehrenamtlich ausgeĂŒbt werden.cite-ref-2[2] So dient Freizeit der Entspannung sowie der persönlichen Entfaltung und der Pflege sozialer Kontakte. In seiner Freizeit widmet sich der Mensch hĂ€ufig seiner Familie, seinen Freunden sowie Hobbys. Die Funktionen der Freizeit sind vor allem Regeneration, Rekreation, Kompensation, Kommunikation, Interaktion, Partizipation und Emanzipation.

Nicht zur Freizeit gehören notwendige TĂ€tigkeiten wie ErnĂ€hrung, HaushaltsfĂŒhrung, Körperpflege und Schlafen.cite-ref-3[3]

Etymologie

Das Wort „Freizeit“ ist ein Kompositum aus frei und Zeit. Es wurde als Rechtsbegriff erstmals um 1350 mittelhochdeutsch als „frey zeyt“ fĂŒr die Marktfriedenszeit – ein Rechtsanspruch auf die sichere Passage auf Wegen von und zum Wochenmarkt – verwendet.cite-ref-4[4] Es ist 1823 erstmals schriftlich durch Friedrich Fröbel mit heutigem Begriffsinhalt dokumentiert.cite-ref-5[5]

Erst 1929 fand es als „Freizeit“ mit heutiger Bedeutung Eingang in den Duden, der sie wie folgt beschrieb: „Zeit, in der jemand nicht zu arbeiten braucht, keine besonderen Verpflichtungen hat; fĂŒr Hobbys oder Erholung frei verfĂŒgbare Zeit“.cite-ref-6[6]

Geschichte

Die Freizeit in Form der „Muße“ (griechisch ÏƒÏ‡ÎżÎ»Îź, schole) kam bereits bei Aristoteles in seiner PolitikĂĄ vor.cite-ref-7[7] In der Nikomachischen Ethik schrieb er: „Wir arbeiten, um Muße zu haben 
“.cite-ref-8[8] Auch die Sklaven und die griechische Unterschicht verfĂŒgten ĂŒber freie Zeit, die sie an ca. 60 Tagen im Jahr bei Olympischen Spielen oder anderen Festen verbrachten. FĂŒr alle Griechen galt, dass Freizeit nicht individuell genutzt werden konnte, sondern im öffentlichen Interesse zum Wohl des Staates lag. Ähnliche Ansichten vertraten die Römer, denn auch hier wurde der Begriff fĂŒr Arbeit (lateinisch neg-otium, „Unmuße, Staatsdienst“) aus dem Begriff fĂŒr Muße (lateinisch otium) abgeleitet. Die herrschende Schicht hatte die Aufgabe, den Staat zu lenken und konnte auch individuellen Annehmlichkeiten nachgehen. Auch die Plebejer verfĂŒgten aufgrund der wirtschaftlichen Weiterentwicklung und der Sklavenhaltung ĂŒber individuelle Freizeit.cite-ref-9[9]

Aus dem altgriechischen „schole“ entwickelte sich ab 1270 das deutsche Wort Schule, bei deren Schulpflicht jedoch das Gegenteil des MĂŒĂŸiggangs vorherrscht. Erstmals tauchte um 1350 in der deutschsprachigen Literatur der Rechtsbegriff „frey zeyt“ im Sinne von „Marktfriedenszeit“ auf, worunter ein sicheres Geleit fĂŒr die Marktteilnehmer auf MĂ€rkten zwischen dem 7. September (ein Tag vor MariĂ€ Geburt) und dem 1. Oktober (Remigiusfest) zu verstehen war;cite-ref-10[10] die MĂ€rkte stellten eine Art Bannmeile dar, die die Besucher vor Gewalt und Übergriffen schĂŒtzte. In jenem Zeitabschnitt wurde Marktreisenden und -besuchern Sicherheit vor Gewalt und Störungen aller Art, einschließlich offizieller Maßnahmen wie Verhaftungen und Vorladungen, gewĂ€hrleistet. „Frey zeyt“ war damals somit temporĂ€re Friedenszeit und ist deshalb weder inhaltlich noch etymologisch gesehen eine Vorstufe des modernen Freizeitbegriffs. Comenius empfahl 1657, wĂ€hrend der Schulzeit Unterrichtspausen durch die Verteilung „von Arbeit und Ruhe (lateinisch laborum et quietis), TĂ€tigkeit und Freizeit (lateinisch operarum et vocationum) oder Ferien“ einzulegen.cite-ref-11[11]

Im heutigen Wortsinne tauchte die Freizeit ersichtlich erstmals im Jahre 1714 auf. Der Theologe August Hermann Francke verstand 1714 unter „Freystunde“ die Zeit der Entspannung vom Unterricht oder Studium.cite-ref-12[12] Damit griff er den Freizeitbegriff im pĂ€dagogisch nĂŒtzlichen Sinne auf, meinte aber eher die – den Unterricht unterbrechende – Unterrichtspause. Simon Nicolas Henri Linguet ging 1767 davon aus, dass „wenn sich der freie Tagelöhner einen Augenblick ausruht, behauptet die schmutzige Ökonomie, 
, dass er sie bestehle“.cite-ref-13[13] Friedrich Fröbel bezeichnete 1823 damit die Zeit, die den Zöglingen seiner Erziehungsanstalt in Keilhau „zur Anwendung nach ihren persönlichen und individuellen BedĂŒrfnissen freigegeben“ war. Im Jahre 1865 tauchte der Begriff erstmals in einem deutschen Wörterbuch von Daniel Sanders auf.cite-ref-14[14] Mit Bezug auf Hegels Dialektik von Notwendigkeit und Freiheit erkannte Karl Marx Mitte des 19. Jahrhunderts den dialektischen Zusammenhang von Arbeit und Freizeit und sah in der Freizeit „einen großen Wert fĂŒr die Emanzipation des Menschen, fĂŒr die Wiedergewinnung der Menschlichkeit aus der Entfremdung“.cite-ref-15[15]

Die Arbeiterbewegungen des frĂŒhen 19. Jahrhunderts setzten sich fĂŒr die Entstehung von Arbeiterrechten wĂ€hrend der industriellen Revolution ein, so etwa die wĂ€hrend der Industrialisierung stattfindende Arbeiterbewegung in Deutschland und Arbeiterbewegung in Österreich. Sie hatten zum Ziel, die Rechte der Arbeiter zu stĂ€rken. Dazu gehörte auch die VerkĂŒrzung der Arbeitszeit. Diese Forderung widersprach dem damaligen Diskurs, der Freizeit mit „Faulheit“ und „Arbeitsscheue“ gleichsetzte. Erst Ende des 19. Jahrhunderts, mit dem Aufkommen der Arbeitsphysiologie, setzte sich die Ansicht durch, dass jede TĂ€tigkeit frĂŒher oder spĂ€ter zu ErmĂŒdung und damit zu abnehmender ProduktivitĂ€t fĂŒhrt.cite-ref-16[16] GrĂŒnde fĂŒr die ab etwa 1850 fortschreitende VerkĂŒrzung der Arbeitszeit waren der gesundheitlich bedenkliche Zustand der ErwerbstĂ€tigen, die teilweise bis zu 16 Stunden arbeiten mussten, sowie vor allem die zunehmende Automatisierung der Produktion, wodurch der Bedarf an menschlichen ArbeitskrĂ€ften zusehends sank. Als ein dritter Grund sollte auch „der seit etwa 1860 propagierte Kampf um den Achtstunden-Arbeitstag“cite-ref-17[17] genannt werden. Ab 1873 brauchten die Buchdrucker lediglich noch 10 Stunden pro Tag zu arbeiten. Dazu proklamierten die Gewerkschaften den 1. Mai 1890 als „Tag der Arbeit“ als Symbol fĂŒr die angestrebte ArbeitszeitverkĂŒrzung.cite-ref-18[18] Die Rationalisierung der Arbeit hat seit dem 19. Jahrhundert eine schrittweise ArbeitszeitverkĂŒrzung und damit eine Freizeitentwicklung ermöglicht. Eine „Denkschrift ĂŒber die Lage der in der Seeschifffahrt Hamburgs beschĂ€ftigten Arbeiter“ aus 1902 stellte erstmals Arbeitszeit und Freizeit gegenĂŒber.cite-ref-19[19] Seit 1908 brauchten Frauen ebenfalls tĂ€glich nur noch 10 Stunden zu arbeiten. Im Jahre 1918 wurde die 48-Stunden-Woche eingefĂŒhrt und damit die Entwicklung der Tagesfreizeit zum Ziel. Als die Bayer AG im MĂ€rz 1931 in fast allen BetriebsstĂ€tten die 40-Stunden-Woche einfĂŒhrte,cite-ref-20[20] verstĂ€rkte sich das Bewusstsein ĂŒber die gewonnene Freizeit.

In der Arbeiterbewegung des spĂ€ten 19. und frĂŒhen 20. Jahrhunderts wurde mit der VerkĂŒrzung der Arbeitszeit auch die Hoffnung verknĂŒpft, dass die Arbeiter sich in der gewonnenen Freizeit „das ganze Kulturerbe der Menschheit“ aneignen wĂŒrden.cite-ref-21[21] Nach der EinfĂŒhrung des Achtstundentags (1918) und der GrĂŒndung der ersten Volkshochschulen schrieb der SPD-Politiker Gustav Radbruch: „Es wird ein Ruhmestitel der Arbeiterschaft bleiben, dass Achtstundentag und Volkshochschule wie zwei Seiten einer und derselben Forderung gleichzeitig Verwirklichung heischten und fanden, dass ihr die Freiheit von der Arbeitsfron sofort Freiheit zur Kulturaneignung bedeutete“.cite-ref-22[22]

Der Duden nahm die Wörter Freizeit und Freizeiten 1929 zum ersten Mal in sein orthografisches Verzeichnis auf und definierte sie folgendermaßen: „(1) Zeit, in der jemand nicht zu arbeiten braucht, keine besonderen Verpflichtungen hat; fĂŒr Hobbys oder Erholung frei verfĂŒgbare Zeit; (2) [mehrtĂ€gige] Zusammenkunft fĂŒr Gruppen mit bestimmten gemeinsamen Interessen“.cite-ref-23[23] Die deutsche Wissenschaft befasste sich ab 1929 durch den PĂ€dagogen Fritz Klatt mit dem Freizeitthema.cite-ref-24[24] Klatt gilt als BegrĂŒnder der FreizeitpĂ€dagogik als einer eigenstĂ€ndigen Einzelwissenschaft, die sich dem Erkenntnisobjekt Freizeit widmete. Im Jahre 1954 folgte der PĂ€dagoge Johannes Zielinski, der sich mit dem Zusammenhang zwischen Freizeit und Erziehung auseinandersetzte.cite-ref-25[25] Die wachsende Freizeit hat in Deutschland mehrere Megatrends ausgelöst. Die Freizeit selbst entwickelte sich ab etwa 1950 durch die sich ausbreitende 40-Stunden-Woche zum Megatrend, es folgten typische FreizeitbeschĂ€ftigungen wie der Tourismus ab etwa 1960, das Shopping ab etwa 1980 und die Wellness nach 1990.cite-ref-26[26]

Arten

Man unterscheidet zwischen Tagesfreizeit (Feierabend einschließlich Nachtruhe), Wochenfreizeit (Wochenende einschließlich freier Feiertage), Jahresfreizeit (Urlaub, Ferien), Freizeit in Lebensphasen (Kinderfreizeit, Entlastungszeit, Ruhestand) oder Zwangsfreizeit (Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, InvaliditĂ€t).cite-ref-27[27] WĂ€hrend sich die Tagesfreizeit durch Mehrarbeit und Pendlerzeit hĂ€ufig verkĂŒrzt, erweiterte sich die Wochenfreizeit stetig, insbesondere bei der flĂ€chendeckenden EinfĂŒhrung der 35-Stunden-Woche. Die Jahresfreizeit erhöhte sich durch gesetzliche und tarifliche UrlaubsverlĂ€ngerungen.

Horst Opaschowski sieht die Freizeit nicht mehr in begrifflicher AbhĂ€ngigkeit von Arbeit, sondern als „freie Zeit“, die durch freie Wahlmöglichkeiten, bewusste Entscheidungen und soziales Handeln charakterisiert ist. Er versteht unter Freizeit die „zeitlich verfĂŒgbaren Lebenssituationen, die relativ frei sind von physiologischen GrundbedĂŒrfnissen und ökonomischen, sozialen und normativen ZwĂ€ngen
“cite-ref-28[28] Davon ausgehend entwickelte er ein Konzept, das die Lebenszeit in drei Zeitabschnitte, je nach dem vorhandenen Grad an freier VerfĂŒgbarkeit ĂŒber die Zeit, aufteilt:cite-ref-29[29]

‱ Determinationszeit ist die fremdbestimmte Zeit, z. B. Arbeit, Schule;
‱ Obligationszeit umfasst zweckgebundene TĂ€tigkeiten wie z. B. Essen, Schlafen;
‱ Dispositionszeit ist die freie verfĂŒgbare und selbstbestimmte Zeit.

Die Freizeit setzt sich somit aus Obligations- und Dispositionszeit zusammen.

Freizeit heute

Urlaub war ein wichtiger Teil der Freizeit. Bis 1983 gab es kein besonderes Freizeitbewusstsein; denn Freizeit galt als die „Restzeit, die ĂŒbrig bleibt, wenn man die Arbeit (
) erledigt hat“.cite-ref-30[30] SpĂ€testens ab 1990 lĂ€sst sich eine, zumindest in den GrundzĂŒgen, der Industrialisierung Ă€hnliche Entwicklung beobachten: „Die Arbeitszeiten wurden in den letzten Jahrzehnten in der BRD sichtbar verkĂŒrzt, doch gleichzeitig wurde die zu leistende Arbeit intensiviert“.cite-ref-31[31] So wurde zuerst in der Stahlindustrie im April 1995 die sogenannte 35-Stunden-Woche eingefĂŒhrt.cite-ref-32[32] Dies hatte zunĂ€chst eine wachsende Arbeitsbelastung (Arbeitsleid) fĂŒr die ErwerbstĂ€tigen zur Folge, und so entwickelte sich die Freizeit erneut zu einer wichtigen Kompensationszeit. Daneben wuchs der Freizeitsektor zu einem bedeutsamen Wirtschaftsfaktor.

Durch die Anerkennung von Arbeit im eigenen Heim, umgangssprachlich Home Office-Arbeit, wuchs die verfĂŒgbare Freizeit durch den Wegfall von Fahrzeiten zwischen BĂŒro und Heim. TĂ€gliche Fahrten zum Arbeitsplatz beanspruchen bei vielen Arbeitnehmern einen erheblichen Teil der Freizeit.

Mittlerweile wird Freizeit immer hĂ€ufiger in Verbindung mit Freizeit-ZeitrĂ€umen sowie AktivitĂ€ten gebracht (z. B. Sommer-Freizeit, Ski-Freizeit). Dies machen sich auch diverse kommerzielle Reise- und Event-Veranstalter sowie gemeinnĂŒtzige Vereine oder Kirchen im Rahmen von Werbezwecken zunutze. Die strikte, auch rĂ€umliche (stĂ€dtebauliche) Trennung der SphĂ€ren von Arbeit und Freizeit ist ein PhĂ€nomen der Neuzeit.

FreizeitbeschÀftigungen

Nachdem ab Januar 1984 private Fernsehsender erlaubt waren, steigerte sich der bundesdeutsche Fernsehkonsum und lag 1990 bei 90 Prozent der Freizeit. 2015 ist Fernsehen mit 97 Prozent unangefochten die liebste FreizeitbeschĂ€ftigung der BundesbĂŒrger.cite-ref-33[33] Radio hören und Telefonieren (von zu Hause) folgen auf Platz zwei mit 90 Prozent bzw. Platz drei mit 89 Prozent. Auf dem vierten Platz findet sich mit 73 Prozent die Internetnutzung – diese lag 2015 im Ranking erstmals vor Zeitung lesen.

Freizeit und Gesundheit

Das wachsende Maß an Freizeit wurde in der Gesellschaft mit der Erwartung auf mehr Chancen verbunden, sich von Arbeit und Alltag zu erholen. Inzwischen beklagen Ärzte und Wissenschaftler falsches Freizeitverhalten mit steigendem Stressfaktor, das zu Erkrankungen fĂŒhrt. Als abschreckendes Beispiel mit möglichen Todesfolgen hat die Deutsche Krebshilfe ĂŒbertriebenes Sonnenbaden und zusĂ€tzliche UV-Strahlung in Sonnenstudios bezeichnet, die fĂŒr eine Zunahme von Hautkrebs verantwortlich gemacht werden.

Freizeit und Behinderung

Das Recht auf gleichberechtigte Teilhabe am Freizeitleben von Personen mit BeeintrÀchtigungen und Behinderungen, das in Artikel 30 der UN-Behindertenrechtskonvention gefordert wird, ist gegenwÀrtig in Deutschland noch nicht durchgÀngig gewÀhrleistet. Gleichwohl finden sich zunehmend barrierefreie Freizeit-, Sport- und Tourismusangebote, die auch inklusive Partizipation ermöglichen.cite-ref-34[34]

Freizeit und Ehrenamt

Ein wesentlicher Wert der Freizeit liegt in der Möglichkeit, die eigene Freizeit selbstbestimmt fĂŒr freiwilliges Engagement oder Ehrenamt zu verwenden.

Recht auf Freizeit

Die Allgemeine ErklÀrung der Menschenrechte garantiert jedem das Recht auf Freizeit:

„Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernĂŒnftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmĂ€ĂŸigen bezahlten Urlaub.“

–

Allgemeine ErklÀrung der Menschenrechte

:

Artikel 24

In Deutschland wird das Recht auf die individuelle Gestaltung der Freizeit dem Schutzbereich der allgemeinen Handlungsfreiheit und der personellen Selbstbestimmung (Art. 2 Abs. l und l Abs. l GG) zugerechnet.cite-ref-36[36] Das Recht auf Nichterreichbarkeit in der Freizeit wurde betont.cite-ref-37[37]

Wirtschaftliche Aspekte

Freizeit ist ökonomisch die Zeit, in welcher der Privathaushalt keiner pflichtgemĂ€ĂŸen ErwerbstĂ€tigkeit nachgeht. Damit ist die Freizeit ein KomplementĂ€rbegriff zur Arbeit: Alle Zeit H {\displaystyle H} , die nicht Arbeitszeit A j {\displaystyle A_{j}} ist, gilt als Freizeit F j {\displaystyle F_{j}} :

H = A j + F j {\displaystyle H=A_{j}+F_{j}} .

Je mehr gearbeitet wird (Mehrarbeit, Überstunden), umso geringer ist die Freizeit und umgekehrt. Die VergrĂ¶ĂŸerung der Freizeit geht – bei gleichbleibender Arbeitsleistung – mit einer Erhöhung der ArbeitsproduktivitĂ€t einher und umgekehrt.

Freizeit ist ein Gut mit einem originĂ€ren Nutzen, die man nur zum Zwecke der Einkommenserzielung opfert. Beim Arbeitsangebot wird das Gut „Freizeit“ mit den KonsumgĂŒtern verglichen, die durch das Arbeitseinkommen erworben werden können. Arbeit wird utilitaristisch als Arbeitsleid, dem man sich zum Zwecke der Einkommenserzielung unterzieht, definiert.cite-ref-38[38] Dementsprechend fĂ€llt mit zunehmender Arbeitszeit der Freizeitnutzen.cite-ref-39[39] Hierbei ist zwischen dem Nutzen der Arbeit (durch Arbeitseinkommen) und dem Freizeitnutzen abzuwĂ€gen. Arbeitnehmer treffen dabei ihre Zeitallokationsentscheidungen nach dem Barwert der verfĂŒgbaren Einkommen.cite-ref-40[40] Entscheidet sich jemand freiwillig fĂŒr Freizeit anstatt fĂŒr Arbeitslohn, dann schĂ€tzt er das Gut der Freizeit höher ein als das Konsumgut.cite-ref-41[41] Steigt der Arbeitslohn, steigt auch das Arbeitsangebot, weil die OpportunitĂ€tskosten fĂŒr den Konsum von Freizeit steigen.

Privathaushalte stehen bei ihrem Ziel der Nutzenmaximierung vor einem Optimierungsproblem, das folgende simultane Entscheidungen umfasst:cite-ref-42[42]

‱ sie mĂŒssen einerseits ĂŒber die Höhe des Einkommens durch AbwĂ€gung der Vor- und Nachteile von Freizeit oder Konsum und
‱ andererseits ĂŒber die optimale Verwendung dieses Einkommens beim Konsum

entscheiden. Unterstellt man, dass Konsum nur in der Freizeit betrieben werden kann, so sind die Konsummöglichkeiten bei geringer Freizeit eingeschrÀnkt.

Bei steigendem Arbeitslohn ist der Privathaushalt im Regelfall bereit, die Freizeit einzuschrĂ€nken, um in den Genuss höherer Arbeitseinkommen zu gelangen. SpĂ€ter jedoch wird das Arbeitsangebot zurĂŒckgehen, weil eine gewisse SĂ€ttigung beim Konsum erreicht wird. Sogar das anormale Arbeitsangebot kann bei sinkenden Einkommen steigen, obwohl der Freizeitnutzen sinkt. ZunĂ€chst nimmt das Arbeitsangebot wie im normalen Verlauf bei sinkendem Lohnsatz ab. Wird der zu erzielende Lohn aber zu gering, um damit ĂŒberleben zu können, sind die betroffenen Arbeitnehmer gezwungen, mehr zu arbeiten, um Existenzsicherung zu betreiben.cite-ref-43[43] Die Arbeitssuche stellt aus Sicht der Arbeitslosen einen Nutzenverlust aus entgangener Freizeit dar.cite-ref-44[44]

Kritik

Kritiker der modernen Auffassung von Freizeit sind der Meinung, dass die Freizeit keine wirklich freie Zeit sei. Sie bleibe der Arbeit untergeordnet. In der Freizeit könne man nicht tun, was man will, denn man „mĂŒsse“ sich erholen. „Im spĂ€tindustriellen Zeitalter bleibt den Massen nichts als der Zwang, sich zu zerstreuen und zu erholen, als ein Teil der Notwendigkeit, die Arbeitskraft wiederherzustellen, die sie in dem entfremdeten Arbeitsprozess verausgabten. Das allein ist die 'Massenbasis' der Massenkultur. [
] Sie bedeutet eine weitgehende Standardisierung des Geschmacks und der RezeptionsfĂ€higkeit“.cite-ref-45[45] Der Soziologe Gerhard Schulze wiederum plĂ€dierte 1993 dafĂŒr, alle einen sozialen Zwang ausĂŒbenden HinderungsgrĂŒnde aus dem Freizeitbegriff auszuklammern (etwa den Konsumzwang).cite-ref-46[46] Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein stellte klar, dass es ein Recht auf Nichterreichbarkeit in der Freizeit gibt.cite-ref-47[47]cite-ref-48[48] Nach diesem Urteil ist ein Arbeitnehmer nicht verpflichtet, wĂ€hrend seiner Freizeit eine dienstliche SMS aufzurufen, um sich ĂŒber seine Arbeitszeit zu informieren und damit zugleich seine Freizeit zu unterbrechen.

Siehe auch
Literatur

‱ Elisabeth Charlotte Welskopf: Probleme der Muße im alten Hellas. 1962.
‱ Erwin K. Scheuch, Rolf Meyersohn (Hrsg.): Soziologie der Freizeit, Köln 1972, ISBN 978-3-462-00844-9
‱ Emil KĂŒng: Freizeit. In: Willi Albers (Hrsg.): Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft (HdWW), Band 3, Fischer / Mohr / Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1981, ISBN 3-525-10258-5, S. 335–346
‱ Horst Opaschowski: PĂ€dagogik der freien Lebenszeit, 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Leske+Budrich, Opladen 1996.
‱ Horst Opaschowski: Feierabend? – Von der Zukunft ohne Arbeit zur Arbeit mit Zukunft! Leske+Budrich, Opladen 1998.
‱ Horst Opaschowski, Michael Pries, Ulrich Reinhardt (Hrsg.): Freizeitwirtschaft – Die Leitökonomie der Zukunft, MĂŒnster 2006, ISBN 3-8258-9297-2
‱ Ritschel, Gregor: Freie Zeit. Eine politische Idee von der Antike bis zur Digitalisierung, transcript, Bielefeld 2021.
‱ Stefan Poser: Freizeit und Technik, in: EuropĂ€ische Geschichte Online, hrsg. vom Institut fĂŒr EuropĂ€ische Geschichte (Mainz), 2011. (Zugriff am 25. August 2011)
‱ Hans-Werner Prahl: Geschichte und Entwicklung der Freizeit. In: Renate Freericks, Dieter Brinkmann (Hrsg.): Handbuch Freizeitsoziologie. Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01519-0, S. 3–27.
‱ Jobst ThĂŒrauf: Freizeit-Krankheiten und freizeittypische UnfĂ€lle: Ausmaß und Bedeutung. In: Deutsches Ärzteblatt. Band 82, Nr. 9, 1985, S. 588 - 591 (aerzteblatt.de).
‱ Udo Wilken, Reinhold Popp (Hrsg.): Freizeit-kulturelle Bildung im Lebenslauf - Gestaltung und Förderung von der Kindheit bis ins Alter. Kohlhammer, Stuttgart 2025, ISBN 978-3-17-044835-3.

Weblinks

Wikiquote: Freizeit

– Zitate

Wiktionary: Freizeit

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Literatur von und ĂŒber Freizeit im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ Stiftung fĂŒr Zukunftsfragen – eine Initiative von British American Tobacco: Freizeit-Monitor 2016: Die beliebtesten FreizeitbeschĂ€ftigungen der Deutschen, Forschung Aktuell, 269, 37. Jg., 25. August 2016.

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Ulrich Ammer, Freizeit, Tourismus und Umwelt, 1998, S. 1
cite-note-22. ↑ Verlag Dr. Th. Gabler, Gablers Wirtschafts-Lexikon, Band 2, 1984, Sp. 1611; ISBN 3-409303839
cite-note-33. ↑ Statistisches Bundesamt, Forum der Bundesstatistik, Band 43, 2004, S. 45 FN 24 ff.
cite-note-44. ↑ Michael Menz, Deutschland 2002: Eine Freizeit- und Erlebnisgesellschaft?, 2002, S. 17
cite-note-55. ↑ Friedrich Fröbel, Fortgesetzte Nachricht von der allgemeinen deutschen Erziehungsanstalt in Keilhau, in: Hans Zimmermann (Hrsg.), Fröbels kleinere Schriften zur PĂ€dagogik : Mit bisher unveröffentlichtem Material, Koehlers Lehrerbibliothek, Band. 6, 1914, S. 236
cite-note-66. ↑ Dudenredaktion (Hrsg.), Duden – Die deutsche Rechtschreibung, 2020, S. 264; ISBN 978-3411040186
cite-note-77. ↑ Reinhold Popp, Zukunft: Freizeit: Wissenschaft, 2005, S. 13
cite-note-88. ↑ Aristoteles, Nikomachische Ethik, X, 7, 1177 b 5
cite-note-99. ↑ Cornelia Mikolaschek/Peter Mikolaschek, Freizeit als Gegenstand der Politik: Konzepte der Parteien und VerbĂ€nde, 1984, S. 24
cite-note-1010. ↑ Horst W. Opaschowski, PĂ€dagogik der freien Lebenszeit, 1996, S. 100
cite-note-1111. ↑ Johann Amos Comenius, Didactica magna, 1657, cap. XV/13
cite-note-1212. ↑ August Hermann Francke, Kurzer Bericht von der gegenwĂ€rtigen Verfassung des Paedagogii Regii, 1714, S. 17
cite-note-1313. ↑ Simon Nicolas Henri Linguet, ThĂ©orie des lois civiles, Band II, 1767, S. 466
cite-note-1414. ↑ Horst W. Opaschowski, Freizeit, in: Bernhard SchĂ€fers (Hrsg.): Grundbegriffe der Soziologie, 2003, S. 92–94
cite-note-1515. ↑ Karl Marx, Das Kapital, Band 2, 1885, S. 268
cite-note-1616. ↑ Peter-Paul BĂ€nziger: Der betriebsame Mensch – ein Bericht (nicht nur) aus der Werkstatt. In: Österreichische Zeitschrift fĂŒr Geschichtswissenschaften. Band 23, Nr. 2, 2012, S. 222.
cite-note-1717. ↑ Hans-Werner Prahl, Soziologie der Freizeit, 2002, S. 100
cite-note-1818. ↑ Reinhold Popp, Zukunft: Freizeit: Wissenschaft, 2005, S. 13
cite-note-1919. ↑ Manuela Schöler, Haben hoch-freizeitaktive Eltern hoch-freizeitaktive Kinder?, 2005, S. 28
cite-note-2020. ↑ Werner Plumpe, Betriebliche Mitbestimmung in der Weimarer Republik, 1999, S. 226
cite-note-2121. ↑ Clara Zetkin: Kunst und Proletariat. In: Die Gleichheit. Band 21, 1911 (sozialistischeklassiker2punkt0.de [abgerufen am 23. September 2022]).
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